Archiv für den Monat Mai 2010

Anders anders

Die Individualität des Menschen ist in unserer heutigen Gesellschaft ein hoher Wert. Es ist für viele ganz wichtig, nicht so wie die anderen, eben anders zu sein.Zu wissen, wie oder was ich nicht bin, reicht allerdings nicht aus, um eine Identität zu bilden. Eine eigene Identität lässt sich nicht nur aus einer Negativ-Folie konstruieren.

Ich muss auch positiv wissen, was mich und mein individuelles Anders-Sein ausmacht.

Wenn ich mich mit mir selber auseinander setze, merke ich allerdings bald, dass ich selber verschiedene Seiten in mir habe. Unterschiedliche, z. T. sogar widersprüchliche Ich-Anteile vertreten verschiedene Anliegen in mir und befinden sich in einem dauernden inneren Dialog.

Es gilt, mit meinem eigenen Anders-Sein umzugehen, die Anliegen der verschiedenen Ich-Anteile ernst zu nehmen. Spalte ich einzelne ab, amputiere ich einen Teil von mir. Damit verliere ich meine Individualität und Identität – meine Unteilbarkeit und unverwechselbare Ganzheit!

Was in mir drin gilt, gilt auch für den Umgang im Aussen. Erst wenn ich die eigenen anderen Seiten in mir akzeptiere und integriere, kann ich auch das Andere und die Anderen im Aussen akzeptieren und im Frieden mit ihnen leben.

Eine Vision von diesem integrativen Umgang mit dem und den Anderen wird im Pfingstbericht der Apostelgeschichte beschrieben. Die Babylonische Vielsprachigkeit ist nicht mehr ein Verstehenshindernis. Jede/r hört die Freundinnen und Freunde Jesu in der je eigenen Sprache sprechen.

Dadurch entsteht Verbundenheit. Und sie  entsteht nicht durch Einheitlichkeit. Verbundenheit und Verbindlichkeit entstehen paradoxerweise gerade dann, wenn das Anders-Sein anerkannt wird.

Pfarreiblatt Zug Kolumne 10-21