Archiv für den Monat Oktober 2008

Sünde

Halt, bitte lesen Sie weiter!

Lassen Sie sich von dem abgegriffenen, alten Wort «Sünde» nicht abschrecken!

Es gab im Katholizismus eine Zeit (und die ist noch gar nicht allzu lange her), da konnte sich einem/r das Gefühl aufdrängen, dass fast alles Sünde ist. Oder mindestens alles, was Spass macht.

Heute sündigt mann und frau dann aber eigentlich nur noch beim Essen. Was meint, dass etwas zu viel oder etwas Ungesundes verspiesen worden ist.

Beide Deutungen des Wortes können nicht recht befriedigen. Und die Gefahr besteht, dass wir das Wort «Sünde» nicht mehr ernstnehmen und nicht mehr gebrauchen. Das führt dazu, dass wir gewisse ungute Situationen oder Tatbestände nicht mehr als solche benennen (können).

Das missbrauchte und missverstandene Wort «Sünde» meint letztlich nichts anderes als «Trennung» oder «Absonderung»:

Wo ich von mir selber und meinen wirklichen Bedürfnissen getrennt bin. Wo ich abgetrennt bin von jeglichen sozialen Zusammenhängen und Verantwortlichkeiten. Wo das Bewusstsein der Zugehörigkeit zur Menschheit und zur ganzen Schöpfung fehlt.

Überall dort passiert Absonderung und Trennung, welche die Ganzheit verletzt und zerstört, überall dort passiert Sünde.

Sünde bedeutet letztlich auch Trennung von Gott als der die Schöpfung umfassenden und belebenden Kraft.

Gott, so sagt es die Amerikanische Theologin Carter Heyward, ist aber «die Macht in Beziehung». Diese Beziehungskraft ist die «Heilige Quelle unseres Zusammenlebens» und der «Urgrund unseres Seins». Und überall wo wir der Trennung und Absonderung – der «Sünde» – Beziehung stiftend, liebend, entgegenwirken, wird Gott mitten unter uns erfahrbar!

Lit: Jesus neu entwerfen. Die Macht der Liebe und Gerechtigkeit; Carter Heyward; Exodus 2006.

Pfarreiblatt Zug Kolumne 08-46